Buch

Overall

Psychothriller / Mystery

OVERALL

Ein Absturz. Drei Überlebende. Drei Geschichten mit seltsamen Parallelen.

Eine Frau und zwei Männer überleben einen Flugzeugabsturz über dem Pazifik und stranden auf einer abgelegenen Insel. Während sie auf Rettung hoffen, beginnen sie, von ihrem Leben zu erzählen – doch je mehr sie preisgeben, desto stärker drängen sich Parallelen, Widersprüche und dunkle Fragen auf.

Kurzbeschreibung

Ein Flugzeugabsturz über dem Pazifik, drei Überlebende auf einer abgelegenen Insel und Geschichten, die nach und nach mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten.

„Overall“ verbindet das Szenario einer Überlebensgeschichte mit einem psychologischen Kammerspiel. Eine Frau und zwei Männer stranden nach einem Flugzeugabsturz auf einer abgelegenen Pazifikinsel. Während sie auf Rettung hoffen, erzählen sie einander von ihrem Leben - doch mit jeder Geschichte treten neue Parallelen, Widersprüche und dunkle Fragen zutage.

Drei Überlebende, eine abgelegene Insel und die Frage, wem man noch trauen kann.

Stimmung & Genre

Overall bewegt sich zwischen Psychothriller, Mystery und Überlebensgeschichte. Die äußere Bedrohung einer einsamen Insel trifft auf die inneren Brüche der Figuren. Der Roman setzt weniger auf schnelle Action als auf wachsende Spannung, Irritationen, falsche Fährten und die Frage, welchen Erzählungen man trauen kann.

  • Psychothriller
  • Mystery
  • psychologische Spannung
  • falsche Fährten
  • psychologisch
  • rätselhaft
  • beklemmend
  • angespannt

Hintergrund zum Buch

Im Mittelpunkt von Overall steht nicht nur die Frage, ob die Gestrandeten von der Insel gerettet werden, sondern auch, was hinter ihren Erinnerungen und Erzählungen steckt. Der Roman arbeitet mit Rückblenden, wechselnden Perspektiven und kleinen Brüchen, die zunächst beiläufig wirken, später aber eine andere Bedeutung bekommen können.

Entstehung und Hintergrund

Beim Schreiben von Overall stand der Wunsch im Mittelpunkt, eine Geschichte zu erzählen, die ihre Leserinnen und Leser immer wieder auf falsche Fährten führt. Viele Szenen sind so angelegt, dass sie beim ersten Lesen selbstverständlich wirken, im Rückblick aber neue Fragen aufwerfen. Aus einer Überlebenssituation wird so nach und nach ein psychologisches Rätsel.

Auch abseits der Insel führen Erinnerungen, Beobachtungen und Verdacht immer tiefer in Roberts Geschichte.

Mystery und Gegenwart

Obwohl die Handlung auf einer abgelegenen Insel beginnt, ist Overall kein klassischer Abenteuerroman. Die eigentliche Spannung entsteht aus den Erzählungen der Figuren, ihren Erinnerungen und den Widersprüchen, die sich daraus ergeben. Das Mystery-Element bleibt lange mit sehr gegenwärtigen Fragen verbunden: Was macht Schuld mit einem Menschen? Wie verlässlich ist Erinnerung? Und wann wird eine innere Stimme gefährlich?

Leseprobe

Kapitel 1 und der Beginn von Kapitel 2

Leseprobe aus Overall

Kapitel 1

Warum ausgerechnet Tomatensaft?

Das fragte sich Robert nun schon zum dritten Mal, als er den dünnen Plastikbecher an seinen Mund führte und einen winzigen Schluck nippte.

Das Zeug lag ihm unangenehm sauer auf der Zunge und erzeugte gleichzeitig eine aufdringliche Schärfe in seinem Rachen. Wie kam die Fluggesellschaft auf die Idee, ihren Passagieren so etwas Ekelhaftes anzubieten? Und was hatte ihn geritten, sich ausgerechnet für dieses absurde Angebot zu entscheiden und bei der Stewardess Tomatensaft zu bestellen? Warum nicht eine Cola oder ein Mineralwasser?

Er stellte den Becher ab, ließ sich auf seinen Sitz zurücksinken und schloss die Augen. Wasser würde ihm jetzt so verdammt guttun. Die Medikamente trockneten seinen Mund aus und verwandelten seinen Speichel regelmäßig in eine zähe, mehlige Masse.

Außerdem hatten diese verdammten Pillen ihn wieder einmal so müde gemacht, dass er einfach eingeschlafen war und den Start des Flugzeugs verpasst hatte. Die Tabletten waren bestimmt auch schuld an seiner merkwürdigen Getränkewahl, war er sich sicher. Natürlich. Wer sonst, wenn nicht diese verdammten Tabletten?

Hatte er die letzte Dosis am Flughafen genommen oder im Flugzeug? In seinem Kopf war alles ein einziger, wirrer Haufen von Erinnerungen, wie ein schlecht sortiertes Kartenhaus kurz vor dem Einsturz.

Robert schielte zu seinem Sitznachbarn. Der saß halb zurückgelehnt am Fenster und halb versteckt hinter der aufgeschlagenen Tageszeitung, in die er vertieft zu sein schien.

Der Kerl kam ihm bekannt vor, oder? Aber nein. Pure Einbildung. Bloß ein weiterer Passagier, wie er.

Robert blinzelte mit den Augen. Er zwang sich, endlich richtig wach zu werden, rieb sich die Augen, gähnte und richtete sich in seinem Sitz auf.

Sehnsüchtig blickte er auf den Fensterplatz neben sich. Der Typ neben ihm hatte den Start bestimmt nicht verschlafen wie er und von seinem Platz einen tollen Ausblick gehabt.

Allein der Gedanke, wie die Maschine sich vom Boden löste, hatte ihn innerlich kribbeln lassen, als würde er für einen Moment der Schwerkraft entkommen.

Es war erst das zweite Mal, dass er flog, und beim ersten Flug hatte er der besonderen Umstände wegen überhaupt nichts mitbekommen.

Robert hatte Durst. Er reckte sich nach links und spähte blinzelnd im Gang nach einer Stewardess oder einem Steward.

Er entdeckte den schlaksigen blonden Flugbegleiter ein paar Reihen vor sich, der gerade dabei war, einem Passagier einen Kaffeebecher zu reichen.

Als der Mann das Getränk entgegennahm, fiel Robert die gewaltige Hand des Kerls auf. Es war eine richtige Bärenpranke, in der der Becher wie ein Puppenspielzeug wirkte.

Die Hand und der dazugehörige kräftige und tätowierte Unterarm verschwanden wieder aus Roberts Blick, als der Steward mit dem Wagen weiter in seine Richtung schob.

Robert winkte dem blonden Mann in Uniform zu, und dieser erwiderte die Geste mit einem strahlenden Lächeln.

„Ich bin sofort bei Ihnen!“

Beim Näherkommen erkundigte er sich nach den Wünschen der anderen Passagiere. Robert versuchte, an dem Steward und seinem Wagen vorbeizuschauen. Er verspürte den Drang, sich noch einmal den Kerl mit den groben Händen anzusehen.

Was war das für ein Tattoo gewesen auf dem Arm? Oder eine Art Narbe oder Brandmal? Irgendeine Art von Symbol? Wo war ihm das schon einmal begegnet?

Es wollte ihm nicht einfallen. Und sehen konnte er den Mann nun auch nicht mehr, egal wie er seinen Hals verrenkte.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“, riss ihn die aufgesetzt freundliche Stimme des Stewards aus seinen Gedanken.

„Ähm“, räusperte sich Robert und hörte auf, nach dem Kerl in den Reihen vor ihm zu starren. „Ein Wasser, bitte. Ach ja, und eine Cola dazu noch. Ähh, bitte.“

Nachdem der Flugzeugkellner, wie Robert ihn insgeheim nannte, ihm die Getränke gereicht hatte und weitergezogen war, leerte Robert den Wasserbecher in einem Zug. Anschließend trank er die Cola zur Hälfte aus und quittierte das eintretende Wohlgefühl mit einem genießerischen „Ahhh“.

Was nun? Ihn quälte immer noch die Frage, woher er dieses Tattoo, oder zumindest das Motiv, kannte. Er könnte einfach aufstehen, auf Toilette gehen und im Vorbeigehen einen Blick riskieren. Aber irgendetwas hielt ihn auf seinem Platz.

Da er den kräftigen Mann von hier aus nicht mehr ausmachen konnte, ließ Robert seinen Blick über die anderen Passagiere schweifen.

Er überflog die Gesichter der meist gelangweilt dreinblickenden Mitreisenden, als er plötzlich innehielt.

Ein Mann war anders. Er saß ein paar Reihen vor ihm, auf der linken Seite am Gang. Eine Reihe hinter dem Grobian mit dem merkwürdigen Zeichen auf dem Arm.

Da Robert auf der rechten Seite des Flugzeugs saß, konnte er diesen Passagier besser sehen als den Großen.

Fasziniert und etwas beunruhigt zugleich beobachtete Robert, wie der Mann mit verkrampften Fingern die Lehne seines Sitzes knetete. Die Hände waren vielleicht halb so groß wie die des anderen Kerls, aber Robert konnte bis zu seinem Platz erkennen, wie sich die Adern unter der Haut bewegten, während der Mann seine Finger in die Armlehne vergrub.

Wahrscheinlich hat der arme Mann Flugangst, dachte Robert und beugte sich etwas weiter vor, um den angespannten Typen besser in sein Blickfeld zu bekommen.

In diesem Moment drehte der Mann seinen Kopf etwas zur Seite, und Robert sah dessen zu einer Grimasse verzerrtes Gesicht. Aber war das Angst, was Robert da erkennen konnte?

Es sah eher aus wie Wut oder Zorn. Vielleicht hat der seine Medikamente nicht genommen?

Ohne es sich dessen bewusst zu sein, ahmte Robert das grimmige Gesicht nach, als er sich versuchte, in ihn hineinzuversetzen.

Und dann wurde Robert klar, wohin der erboste Mann starrte.

„So ist das also“, murmelte Robert halblaut zu sich selbst. „Der kleine cholerische Typ glotzt den tätowierten Hünen an. Wahrscheinlich hat er noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Na, den Kampf würde ich gerne sehen. David gegen Goliath.“

Robert hielt sich die Hand vor den Mund und schaute nach rechts. Sein Sitznachbar bedachte ihn mit einem strengen Blick, schüttelte den Kopf und verschwand dann wieder hinter der Zeitung.

Robert biss sich auf die Lippen. Er könnte sich ohrfeigen. Diese dämlichen Selbstgespräche hatte er sich doch eigentlich schon längst abgewöhnt.

„Pass auf, was du sagst, sonst landest du irgendwann noch einmal in Teufels Küche mit deinem vorlauten Mundwerk“, hatte ihm seine Mutter schon als Kind eingebläut. Oder war das ein Spruch seiner Tante gewesen?

Wie auch immer, jemand wird es bestimmt gesagt haben.

Er trank den Rest seiner Cola aus und lachte lautlos über sich selbst.

Was interessierte ihn überhaupt, was die beiden da in den Reihen vor ihm für ein Problem miteinander haben?

Als er versuchte, sich etwas bequemer hinzusetzen, machte sich seine Blase bemerkbar.

Verdammt, also nun doch ein Gang zur Toilette.

Er versuchte aufzustehen, aber wurde zurückgehalten. Stirnrunzelnd hob er sein T-Shirt an und stellte fest, dass er noch angeschnallt war.

„Na klar, du Esel. Du hast dich angeschnallt, deine Pillen geschluckt und bist eingepennt. Bist wahrscheinlich der einzige angeschnallte Mensch an Bord“, murmelte Robert genervt und versuchte, die Gurtbefestigung zu lösen.

Sein Sitznachbar grunzte missmutig, als er Roberts Bewegung wahrnahm, und nuschelte etwas, was Robert nicht verstand.

Genau in dem Moment, als sich die Blicke der beiden trafen, explodierte die Welt um sie.

Das Echo eines fürchterlichen Knalls dröhnte in Roberts Ohren und verwandelte sich in ein andauerndes und hohes Piepen.

Er wurde nach hinten gegen seinen Sitz geschleudert und krachte mit dem Rücken gegen die Lehne. Es fühlte sich an, als hätte ihm ein Riese einen Faustschlag verpasst.

Um ihn herum herrschte ein ohrenbetäubender Lärm. Alles war in chaotisches, flackerndes Licht getaucht.

Robert sah schemenhafte Umrisse, die durch den Gang geschleudert wurden. Was war das? Waren das Menschen?

Im nächsten Augenblick warf es ihn nach vorne, und er prallte mit dem Gesicht gegen den Sitz in der Reihe vor ihm.

Benebelt von dem Aufprall nahm er unscharf wahr, wie sich rechts von ihm etwas aufbäumte und über den Sitz geschleudert wurde.

War das mein Nachbar? Aber ihm blieb keine Zeit zum Nachdenken.

Ein heftiger Wind fuhr ihm ins Gesicht. Menschen schrien wild und panisch durcheinander.

Ihm wurde bewusst, dass er selbst auch kreischte, und hielt sich reflexartig den Mund zu.

Das Ächzen und Krachen von sich biegendem Metall übertönte die Schreie der anderen Passagiere.

Er wurde erneut nach vorne und dann nach hinten geworfen, aber sein Gurt hielt ihn auf dem Sitz.

Qualm drang in Roberts Nase und Mund. Seine Augen tränten, und er hustete, bis ihm schwarz vor Augen wurde.

Er spürte noch, wie etwas Warmes über seine Kopfhaut lief. Dann verlor er das Bewusstsein.

Kapitel 2

Irgendjemand klopfte Robert immer und immer wieder gegen die Stirn.

Langsam kam er zu sich und begriff, dass es die Lehne des Vordersitzes war, die kontinuierlich gegen seinen Kopf schlug. Er hing nach vorn über gebeugt auf seinem Sitz. Sein linker Arm baumelte schlaff herunter. Er machte vorsichtig eine Faust und stellte erleichtert fest, dass er den Arm und die Hand bewegen konnte.

Sein Blick wanderte zur anderen Seite. Der rechte Arm steckte in der Lücke zwischen den beiden Vordersitzen und hielt damit seinen Oberkörper aufrecht. Erst jetzt wurde ihm die Gefühllosigkeit in diesem Arm bewusst. Ab der Schulter war alles taub. Panik stieg in ihm auf. Was, wenn er seinen Arm da nicht mehr herausbekam?

Sein Atem ging schneller, als er sich hektisch mit der linken Hand gegen die Lehne stemmte. Als sich nichts bewegte, drückte er stärker und schrie auf, als sich der Arm mit einem plötzlichen Ruck löste und er wie ein nasser Sack nach hinten plumpste. Ächzend massierte er seine Schulter und kam nach und nach wieder zu Atem. Langsam kehrte das Gefühl wieder in seinen Arm zurück. Es kribbelte und brannte, als würden ihn Tausende Wespen in die Haut stechen.

Er tastete die pochende Stelle auf seiner Stirn ab. Seine Finger fanden getrocknetes Blut und verklebte Haare. Hoffentlich nur eine Platzwunde und nichts kaputt im Schädel. Er biss die Zähne zusammen und schaute sich seit seinem Erwachen zum ersten Mal richtig um.

Blick nach rechts. Sein Sitznachbar war verschwunden.

Blick nach vorne. Da war der Gang.

Es war dunkel, aber langsam gewöhnten sich seine Augen daran, und er konnte mehr erkennen. Ein heilloses Durcheinander am Ende des Ganges. Robert konnte nicht ausmachen, was sich dort an der Tür zum Cockpit alles angehäuft hatte. Waren das menschliche Körper? Oder nur Teile vom Flugzeug? Das eine Ding sah wie der Essenswagen aus. Hatte sich eben etwas bewegt in der Silhouette daneben? Nein, da war nichts.

Robert spitzte die Ohren. Er konnte von dort vorne keinen Laut ausmachen. Aber von hinten hörte er beständiges Rauschen, und was war das andere? Möwenkreischen?

Roberts Sinne kehrten nach und nach wieder zu ihm zurück. In seinem Kopf drehte es sich. Langsam schlichen sich die Schmerzen an Rücken, Kopf und Armen in sein Bewusstsein. Vorsichtig löste er den Anschnallgurt und musste sich festhalten, um nicht nach vorne zu rutschen.

Das Flugzeug hing mit dem Bug nach vorne, wurde ihm klar. Fliegen wir etwa noch? Nein, auf keinen Fall. Dafür war es zu ruhig. Der Boden bewegte sich zwar leicht, aber eher so, als würde jemand ganz leicht von außen daran schaukeln.

Außerdem war es jetzt wieder heller im Flugzeug als kurz nach dem Knall. Das Licht schien von hinten zu kommen. Robert drehte sich um und blinzelte in gleißenden Sonnenschein.

Ein paar Reihen hinter ihm, wo sich beim Abflug noch das Heck befunden und wo Robert das Flugzeug betreten hatte, befand sich nun nichts mehr. Der rückseitige Teil des Flugzeugs war komplett abgerissen. Der Gang endete in einem klaffenden Loch. An den zerfetzten Rändern flatterten Kabel und Isoliermaterial im Wind.

Dahinter strahlte Robert hell und warm die Sonne entgegen, die in einem fast märchenhaft blauen Himmel hing.

Die passt so gar nicht in die Szene, dachte Robert geistesabwesend und murmelte zu sich selbst: „Die passt zu einem Urlaubstag am Strand und nicht zu einem Flugzeugabsturz.“ Wenigstens war keiner in der Nähe, der sich über seine Selbstgespräche lustig machen konnte.

Er stand vorsichtig auf. Ganz behutsam bewegte er sich von seinem Platz aus in die Mitte des Ganges. Er hielt sich an den Lehnen der Sitze fest, während er sich auf dem ansteigenden Boden Schritt für Schritt vortastete.

Sein Fuß traf auf etwas Weiches, und schnell zog er sein Bein zurück. Er zwang sich, nicht hinzusehen, auf was er da getreten war.

Erst jetzt wurde ihm der üble Gestank bewusst, der ihn umgab. Die menschlichen Ausdünstungen von Urin, Erbrochenem und Kot wurden übertüncht von dem Geruch von verbranntem Plastik, Ozon und Treibstoff. Er wurde langsamer und musste würgen.

Auch wenn er versuchte, einen Blick starr geradeaus auf sein Ziel, das rettende Loch im Heck, zu richten, erhaschte er bei einem schnellen Blick nach links den Umriss einer kleinen Gestalt, die über einer der Rückenlehnen hing. Er wandte den Kopf wieder nach vorn und zog sich weiter nach oben.

Endlich erreichte er das Ende des Flugzeugs. Er ließ sich auf die Knie sinken und robbte vorsichtig an die Abbruchkante heran. Dort schob er seinen Kopf über den Rand und musste sich die Hand an die Stirn legen, um die Augen vor der grellen Sonne zu schützen.

Ein paar Meter unterhalb seiner Position erkannte er trotz der gleißenden Helligkeit flaches, hellblaues Wasser.

Nach einer kurzen Weile hatte er sich an die Lichtstärke gewöhnt und war nun in der Lage, weiter in die Ferne zu schauen. In einiger Distanz konnte er eine Küste ausmachen. Das Gewässer zwischen ihm und der Küste war dunkel und bestimmt um einiges tiefer als das Wasser direkt unter ihm. Aber es strahlte auf Robert auch eine große Ruhe aus, wirkte schon fast einladend.

War das dahinten eine Gestalt, deren Kopf im Wasser weit entfernt von ihm auf und ab wippte und sich Richtung Küste bewegte? Oder war es nur ein Stück Treibholz?

Dann schaute er sich in der direkten Umgebung um, und erst jetzt fielen ihm die unzähligen Wrackteile, Gepäckstücke und, zu seinem Entsetzen, auch die reglosen Körper auf, die gemächlich auf dem Wasser trieben.

„Die sind alle gar nicht da. Alles ist gut. Das sind alles nur Teile vom Flugzeug im Wasser. Hier gibt es keine Leichen“, versuchte er sich einzureden und konzentrierte seinen Blick stattdessen wieder auf die Küste.

Wie weit war es bis zum Ufer? Einen Kilometer? Zwei? Oder zehn? Musste er überhaupt dorthin gelangen? Was war auf der Cockpitseite? Gab es dort auch Land? Wo genau waren sie eigentlich abgestürzt?

Er war in Chile an Bord gegangen, und sie sollten ungefähr dreizehn Stunden später in Australien landen. Sie mussten irgendwo im Pazifik heruntergekommen sein. Aber der Pazifik war groß, und wie lange und wie weit waren sie bereits geflogen, als es zur Explosion kam?

Was zur Hölle ist überhaupt geschehen? Was, verdammt noch mal, soll ich jetzt machen?

Die Fragen durchschossen seinen Kopf wie Maschinengewehrfeuer. Robert musste sich beruhigen. Ihm wurde klar, dass sein Körper bis jetzt in einer Art Schockzustand wie auf Autopilot gehandelt hatte. Aber nun, da sein Bewusstsein wieder in den Vordergrund trat, traf ihn die Erkenntnis, in was für einer Situation er sich befand, wie ein Schlag ins Gesicht.

Würde er hysterisch werden? Wann hatte er das letzte Mal seine Tabletten genommen?

Ängstlich suchte er nach seiner Bauchtasche, fand sie und kramte hektisch darin herum, während er sich mit den Füßen an einem Sitz abstützte, um nicht zurück ins Flugzeuginnere zu rutschen. „Hey Kumpel!“ Der Ruf traf Robert wie ein Schwall eiskaltes Wasser. Mit einem hohen Angstschrei zuckte er zusammen. Das Tablettenröhrchen flog ihm aus den Fingern und segelte in einem hohen Bogen hinaus über die Abbruchkante.

Cover & Motiv

Cover und Bildkonzept

Das Cover von Overall ist als zusammenhängendes Bildmotiv angelegt. Rechts verdichten sich verschiedene Szenen und Stimmungen des Romans zu einer traumartigen Collage, während das Motiv nach links in eine raue Ozeanlandschaft übergeht. Dort steht eine einsame Gestalt auf den Klippen von Henderson Island und blickt hinab in die wilde See.

Die einzelnen Bildelemente wurden mithilfe von KI erzeugt und anschließend zu einem eigenen Covermotiv zusammengesetzt.

Textfreies Hintergrundmotiv des Overall-Covers.
Gesamtcover mit gesetztem Text und Umschlagansicht.

Frühere Coveridee

Eine frühere Coveridee arbeitete stärker mit einem Gesichtsmotiv und der Silhouette der Insel. Diese Variante wurde später verworfen, weil sie die psychologische Ebene des Romans zu stark angedeutet hätte.

Verworfene Coveridee mit Gesichtsmotiv und Insel-Silhouette.

Verfügbarkeit

„Overall“ ist als Self-Publishing-Titel über Bookmundo erhältlich. Die verfügbaren Ausgaben sind Hardcover und Paperback.

Bibliografische Angaben

Autor
Hans Woitke
Titel
Overall
Genre
Psychothriller / Mystery
Sprache
Deutsch
Seitenzahl
637 Seiten
Printformat
155 × 235 mm
Druck
Schwarzweiß
Veröffentlicht
26.03.2026
Bookmundo-Genre
Thrillers & Fantasy > Thrillers
Ausgaben
Hardcover: ISBN 9789403868172; Paperback: ISBN 9789403864303