Roman

Sommer mit Benesh

Ein Sommer, ein verborgenes Tagebuch und eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf.

Sommer mit Benesh

Ein Junge. Ein geheimer Schacht. Ein Tagebuch aus einer anderen Zeit.

Gunnar rechnet mit dem langweiligsten Sommer seines Lebens. Seine Freunde sind verreist, die Eltern oft unterwegs, und selbst das Freibad scheint ohne Rückendeckung kein sicherer Ort zu sein. Doch dann findet er unter einer alten Ofenbank in seinem Zimmer einen verborgenen Zugang - und dahinter eine Geschichte, die lange darauf gewartet hat, wieder ans Licht zu kommen.

Stimmung & Genre

  • Coming-of-Age
  • historisches Geheimnis
  • Erinnerung
  • Jugendroman für Erwachsene
  • sommerlich
  • nostalgisch
  • geheimnisvoll
  • warmherzig
  • nachdenklich

Worum geht es?

Sommer 1993: Gunnar ist zwölf Jahre alt, seine Freunde sind verreist und sechs Wochen Langeweile scheinen vor ihm zu liegen. Doch dann entdeckt er in seinem Zimmer einen geheimen Zugang, der ihn zu einem alten Tagebuch führt - und zu Benesh, einem jüdischen Jungen, dessen Geschichte lange im Verborgenen geblieben ist. Während Gunnar der Vergangenheit nachspürt, gerät er zugleich in eine gegenwärtige Kriminalgeschichte, die seinen Sommer gefährlicher macht, als er je erwartet hätte.

Buchbeschreibung

Für den zwölfjährigen Gunnar beginnt der Sommer 1993 mit einer Enttäuschung: Seine besten Freunde fahren weg, das Freibad wirkt ohne sie bedrohlich, und die Ferien versprechen vor allem Langeweile. Doch dann macht er in seinem eigenen Zimmer eine Entdeckung, die alles verändert. Unter einer alten Ofenbank findet er einen verborgenen Schacht, der zu einer geheimen Kammer führt.

Dort stößt Gunnar auf das Tagebuch von Benesh Finkenbusch, einem jüdischen Jungen aus den 1930er-Jahren. Was zunächst wie ein aufregendes Ferienabenteuer wirkt, wird nach und nach zu einer Begegnung mit einer verdrängten Vergangenheit. Doch die Spurensuche bleibt nicht im Gestern. Gunnar wird Zeuge eines Verbrechens und merkt bald, dass auch seine eigene Gegenwart dunklere Geheimnisse bereithält, als er gedacht hätte.

Zwischen kindlicher Neugier, Nachbarschaftsgeschichten, Sommerhitze, Kriminalspannung und dem Ernst der Geschichte entsteht eine Erzählung, die Gunnar weit über diesen einen Sommer hinaus begleiten wird.

„Sommer mit Benesh“ verbindet Coming-of-Age, historisches Geheimnis und Kriminalgeschichte zu einem Roman über Kindheit, Mut, Erinnerung und die Frage, was bleibt, wenn eine Geschichte beinahe vergessen worden wäre.

Spoiler-Alarm Handlungsdetails anzeigen Achtung: Die folgenden Bild- und Informationsboxen verraten einiges von der Handlung. Wenn du das Buch schon kennst oder dir Spoiler egal sind, kannst du den Abschnitt ausklappen. Wenn nicht, lies lieber erst den Roman und lass dich vom Inhalt überraschen. Hier bitte ausklappen Wieder einklappen

Sommer 1993

Gunnar ist zwölf, die Sommerferien haben begonnen, und statt Abenteuer wartet zunächst vor allem Langeweile. Die Freunde sind verreist, die Eltern oft unterwegs, und selbst das schöne Wetter hilft nur bedingt gegen das Gefühl, etwas zu verpassen. Zwischen Kassetten, Comics, einem chaotischen Schreibtisch und seinem Kater Gorbatschow beginnt ein Sommer, der eigentlich ganz gewöhnlich wirken könnte - bis sich in Gunnars eigenem Zimmer etwas Unerwartetes ankündigt.

Der geheime Zugang

Unter der alten Ofenbank in seinem Zimmer entdeckt Gunnar einen verborgenen Zugang. Was zuerst wie ein kindlicher Forschertraum erscheint, führt in einen dunklen Schacht und schließlich in einen Raum, der seit Jahrzehnten verborgen geblieben ist. Aus der Sommerlangeweile wird plötzlich ein echtes Geheimnis - und Gunnar merkt schnell, dass er etwas gefunden hat, das weit mehr ist als ein altes Versteck.

Beneshs Tagebuch

In der verborgenen Kammer stößt Gunnar auf das Tagebuch von Benesh Finkenbusch. Mit jeder Seite öffnet sich eine zweite Erzählebene: die Geschichte eines jüdischen Jungen, der in den Jahren des Nationalsozialismus im Verborgenen leben musste. Der geheime Raum wird damit nicht nur zu einem Fundort, sondern zu einem stillen Zeugnis von Angst, Hoffnung und Überleben.

Ein Leben im Verborgenen

Mit dem Tagebuch entdeckt Gunnar nicht nur eine verborgene Kammer, sondern auch die Wirklichkeit eines anderen Jungen. Seite für Seite erfährt er, wie Benesh sich während der nationalsozialistischen Verfolgung verstecken musste - in Enge, Unsicherheit und ständiger Angst, entdeckt zu werden. Das Versteck unter dem Zimmer wird dadurch zu mehr als einem geheimen Raum: Es wird zu einem Ort, an dem sich Vergangenheit unmittelbar anfühlt. Gunnar liest nicht einfach nur mit, sondern beginnt zu begreifen, wie es gewesen sein muss, Gespräche von oben zu belauschen und das eigene Leben im Schatten anderer zu verbringen.

Eine gefährliche Gegenwart

Während Gunnar Beneshs Geschichte nachspürt, gerät er zugleich in eine gegenwärtige Kriminalgeschichte. Durch einen verborgenen Blick in die Nachbarschaft wird er Zeuge eines verstörenden Moments, den er eigentlich nie hätte sehen dürfen. Aus dem geheimnisvollen Sommerabenteuer wird dadurch auch eine bedrohliche Gegenwartsgeschichte, in der nicht nur die Vergangenheit, sondern auch das Hier und Jetzt gefährlich werden.

Zwischen Flohmarkt und Abenteuer

Trotz aller Geheimnisse bleibt Gunnar auch ein ganz normaler Junge im Sommer der frühen Neunzigerjahre. Flohmarkt, Nachbarskinder, kleine Alltagsbeobachtungen und dieses typische Gefühl eines endlosen Feriennachmittags prägen seinen Alltag ebenso wie das große Geheimnis unter dem eigenen Zimmer. Gerade dieser Wechsel zwischen Coming-of-Age, 90er-Jahre-Alltag und spannender Entdeckung macht den besonderen Ton des Romans aus.

Hintergrund zur Entstehung

Der reale Ausgangspunkt

Die Idee zu „Sommer mit Benesh“ geht auf einen realen Ort meiner Kindheit zurück. In meinem Elternhaus in Lübeck gab es in meinem Zimmer tatsächlich einen alten Ofenbereich mit einer kleinen Holzbank und einer Klappe. Darin lagen alte Zeitschriften. Schon als Kind stellte ich mir vor, was wohl wäre, wenn sich darunter kein Stauraum, sondern ein Zugang in eine verborgene unterirdische Welt befinden würde.

Viele Jahre später wurde aus dieser alten Vorstellung der Ausgangspunkt des Romans: ein Junge, ein Sommer, ein geheimer Zugang und eine Geschichte, die unter der Oberfläche weiterlebt.

Der reale Ofenbereich mit der Holzbank, aus der später die Romanidee entstand.
Die geöffnete Bank - im Roman wird aus diesem Stauraum der Eingang zu einem verborgenen Geheimnis.

Viele Jahre später kam diese Vorstellung zurück, als ich ernsthafter mit dem Schreiben begann. Ursprünglich arbeitete ich an einem deutlich größeren Fantasy-Projekt, merkte aber, dass ich für den Einstieg zunächst eine kleinere, geschlossenere Geschichte erzählen wollte. So wurde aus der alten Kindheitsfantasie nach und nach ein Roman über einen Jungen in den 1990ern, ein verborgenes Tagebuch und eine Geschichte, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht.

In „Sommer mit Benesh“ sind verschiedene autobiografische Erinnerungen eingeflossen: das Gefühl langer Sommerferien, die Unsicherheit eines Zwölfjährigen, Freibad, Nachbarschaft, Flohmarkt, alte Häuser und die eigene Schulzeit. Zugleich bleibt der Roman eine fiktionale Erzählung. Auch die historischen Bezüge sind literarisch gestaltet und erheben keinen Anspruch darauf, ein dokumentarischer Tatsachenbericht zu sein.

Geschrieben etwa zwischen 2020 und 2022. Veröffentlicht 2022 über Bookmundo.

Zwischen Erinnerung und Fiktion

Der Roman steht bewusst zwischen persönlicher Erinnerung und erfundener Geschichte. Viele Details der 90er-Jahre-Ebene sind von echten Kindheitseindrücken inspiriert. Auch die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Erinnerung hat einen persönlichen Bezug: Meine echte Schule, die Geschwister-Prenski-Schule, trägt ihren Namen nach jüdischen Flüchtlingskindern.

Aus diesen verschiedenen Spuren entstand keine autobiografische Nacherzählung, sondern eine fiktionale Geschichte über die Frage, wie Vergangenheit sichtbar wird - manchmal durch Orte, manchmal durch Namen, manchmal durch ein altes Buch, das jemand findet.

Cover & Gestaltung

Zur Coveridee

Das Cover wurde bewusst als Verbindung zweier Welten angelegt. Auf der Vorderseite steht die helle, sommerliche Ebene des Romans: Gunnar, die Wiese, das Wasser und im Hintergrund der erwachsene Anglerfreund, der zunächst wie eine schrullige Sommerbekanntschaft wirkt, später aber ebenfalls in die Kriminalgeschichte hineingezogen wird. Auf der Rückseite öffnet sich die dunklere Seite der Erzählung: Benesh im verborgenen Raum, allein mit seinem Tagebuch und mit einer Vergangenheit, die lange verschlossen blieb.

Über den Buchrücken hinweg entsteht die eigentliche Verbindung. Die Handbewegung und das Tagebuch führen von Benesh zu Gunnar, von der Vergangenheit in die Gegenwart. Das Cover zeigt damit nicht nur einzelne Szenen aus dem Roman, sondern seine Grundidee: Eine Geschichte wird weitergereicht, bevor sie verloren geht.

Die Grundidee der Covergestaltung stammt vom Autor; die Illustration wurde damals über Fiverr bei einem Künstler in Auftrag gegeben.

Kompletter Umschlag mit Rückseite, Buchrücken und Vorderseite.

Leseprobe

Ein Auszug aus Kapitel 2: Gunnar ist allein zu Hause, als sein Kater Gorbatschow an der alten Holzbank neben dem Kachelofen etwas entdeckt. Aus kindlicher Langeweile wird der erste Schritt in ein Geheimnis, das tief unter seinem Zimmer beginnt.

Kapitel 2

Zwei Tage später saß ich wieder in meinem Zimmer und starrte an die Decke.

Es war Samstag, und meine Eltern waren am Vormittag zu ihrem Ferienhaus aufgebrochen. Mein Vater wollte einen Schuppen für das Kaminholz bauen. Er hatte sich einen Anhänger vom Nachbarn geliehen und diesen mit Werkzeugkisten und Bauholz vollgestopft. Meine Mutter hatte währenddessen Farbeimer, Pinsel und allerlei Krimskrams ins Auto geräumt, denn sie wollte die Wände neu streichen und umdekorieren.

„Ob ich denn nicht mitkommen wolle?“, hatten meine Eltern mich tags zuvor immer wieder gefragt, aber ich hatte keine Lust. Noch öder, als alleine zu Hause rumzuhängen, konnte ich mir wirklich nur vorstellen, zusammen mit meinen Eltern im Ferienhaus mitten im Nichts festzusitzen. Sie hatten damals nicht einmal Kabelfernsehen dort gehabt, und andere Kinder gab es auch erst im weit entfernten Nachbardorf. Außerdem hätte ich mich eh nicht getraut, mit fremden Kindern Kontakt aufzunehmen. Dafür war ich viel zu schüchtern.

Nein, dann blieb ich doch lieber zu Hause, wo der Fernseher 38 Programme zur Verfügung hatte, meine Oma mir immer das kochte, was ich wollte, und mir keiner sagte, wann ich ins Bett gehen sollte.

Nachdem meine Eltern losgefahren waren, zappte ich ein paar Mal alle Kanäle durch und ging dann rüber zu meiner Oma, die schon mit dem Essen auf mich wartete. Als ich mich wieder auf den Rückweg machte, steckte sie mir noch ein paar Kekse zu und gab mir einen dicken, feuchten Omakuss auf die Wange. Ich liebte meine Oma sehr, aber das fand ich ehrlich gesagt immer absolut eklig.

Nachdem ich noch zwei Stunden vor dem Fernseher abgehangen hatte, war ich in mein Zimmer geschlurft, hatte alte Comichefte gelesen und dabei ein paar Kassetten gehört. Als mir das irgendwann auch zu langweilig geworden war, setzte ich mich auf meinen Schreibtischstuhl, drehte mich im Kreis und starrte an die Decke. Und da saß ich nun, bedauerte mich selbst und verfluchte mein Unglück.

Wie alle Kinder hasste ich dieses Gefühl der Langeweile und die gleichzeitige Gewissheit, gerade etwas richtig Tolles zu verpassen. Es war jetzt kurz nach sechs, und bestimmt waren die anderen Kinder aus meiner Schule alle im Freibad oder spielten irgendwo Fußball und hatten eine Menge Spaß. Gerade als ich anfing, darüber nachzugrübeln, ob ich auf eigene Faust zum Hafen gehen und Schorse einen Besuch abstatten sollte, kam Gorbatschow herein.

Er schnurrte und strich mir um die Beine. Ich nahm den getigerten Kater auf den Schoß und kraulte ihm das Fell. Er maunzte und kletterte von meinem Schoß auf meinen völlig chaotischen Schreibtisch. Dort stolzierte er zielsicher zu der kleinen Blechdose, in der ich besondere Leckereien für ihn aufbewahrte, die ich immer „Gorbis Krümel“ nannte.

„Okay, Gorbi“, gab ich mich geschlagen, „eine Runde Krümeljagen, aber dann fahre ich rüber zum Hafen. Ich will ja schließlich nicht versauern hier drinnen!“

Der Kater miaute freudig auf und gurrte verzückt, als ich die Dose in die Hand nahm und ein paar seiner geliebten Krümel herausnahm. Er war eigentlich ein sehr bequemer Zeitgenosse und verbrachte die meiste Zeit mit Schlafen. Wenn es aber um seine Krümel ging, wurde er zu einer wilden Bestie.

Ich warf den ersten Krümel in eine Zimmerecke, und Gorbatschow schoss blitzschnell vom Schreibtisch, riss dabei eine Schneise in das Sammelsurium der Gegenstände, die sich hier anhäuften, und stürzte sich wie ein Raubvogel auf das wehrlose Stück Trockenfutter. Ich wiederholte den Vorgang ein paarmal, und Gorbi wurde nicht müde, dem Fressen nachzujagen und es gierig zu vertilgen.

Der Kater hatte gerade den vorletzten Krümel gefressen, da sah ich, wie er plötzlich innehielt und die Ohren spitzte. Anstatt wie vorher mit erhobenem Schwanz zurück zu mir zu tapsen und auf den nächsten Wurf zu warten, fixierte Gorbatschow nun die kleine Holzbank neben dem Kachelofen, der in meinem Zimmer stand.

Dieser Ofen war angeblich ebenso alt wie der große Altbau selbst, in dem meine Eltern und ich in der Erdgeschosswohnung wohnten. Bis jetzt hatte mich diese urtümliche und bereits lange ausrangierte Wärmequelle nie besonders interessiert, was sich jedoch bald ändern sollte.

Ich sah mir den Ofen etwas genauer an. Die Kacheln umfassten an der einen Seite eine aufklappbare Holzbank, die etwa einen halben Meter mal einen Meter maß und die mein Kater jetzt gierig belauerte. Irgendetwas war dort, was Gorbatschows Aufmerksamkeit erregt haben musste. Wie ein Löwe in der Savanne schlich er sich wie in Zeitlupe eng am Boden geduckt an die Kiste heran.

Ich fragte mich, was der bekloppte Kater meinte, dort zu finden, denn in dem Kasten befanden sich nur alte Spiegel- und Stern-Ausgaben, die mein Vater nicht wegschmeißen, meine Mutter aber auch nicht im Wohnzimmerschrank aufbewahren wollte.

Dann hörte ich ein leises Piepsen, und Gorbi wuselte völlig aufgekratzt von einer Seite der Holzbank auf die andere.

„Eine Maus!“, schoss es mir durch den Kopf, und ich ging zu der Bank und öffnete vorsichtig die Klappe. Der gierige Kater wollte sich an mir vorbeidrängen, aber ich hielt ihn zurück, denn ich wollte ihm die arme Maus nicht zum Fraß vorwerfen.

Ich setzte ihn in den Flur und schloss die Tür hinter ihm. Er jaulte erbärmlich und kratzte wie verrückt am Türrahmen, aber ich kümmerte mich nicht um ihn, sondern räumte behutsam, Stapel für Stapel die gesammelten Zeitschriften aus der Kiste und legte sie auf den Boden. Dabei meinte ich einmal den schattenhaften Umriss einer Maus weghuschen zu sehen, aber sicher war ich mir nicht gewesen.

Als alles leergeräumt war, konnte ich zwar keine Maus entdecken, aber deren Spuren. Der gesamte Boden war voll mit Mäusekötteln, und in der hintersten Ecke der Kiste war ein kleines, etwa fünfmarkstückgroßes Loch zu erkennen.

Ich holte den Staubsauger und entsorgte den Mäusedreck. Die Zimmertür ließ ich diesmal offen, denn wenn der Staubsauger ins Spiel kam, nahm Gorbatschow freiwillig Reißaus.

Als ich mit der Staubsaugerspitze gegen das Mäuseloch kam, brach ein rechteckiges Stück der Rückwand rund um das Loch herum heraus, und ich fluchte.

„Da mache ich schon mal sauber, und schon geht was kaputt“, meckerte ich vor mich hin und stellte den Staubsauger ab.

Ich besah mir das Unheil genauer und nahm das herausgebrochene Stück Holz in die Hand. Bis auf das Mäuseloch in der Mitte sah es gar nicht kaputt oder abgebrochen aus. Die Kanten waren alle gerade und gleichmäßig. Ich legte das Stück beiseite und schaute mir die Stelle an, wo sich vorher die jetzt fehlende Holzplatte befunden hatte.

Dort ragte eine verrostete Stange aus der Wand, soweit ich es erkennen konnte. Ich holte meine Taschenlampe und nahm das Ding genauer in Augenschein. Unter dem Licht sah es aus wie ein Griff oder Hebel.

Mein Herz begann schneller zu schlagen, als mir bewusst wurde, dass ich hier möglicherweise gerade dabei war, ein Geheimversteck oder vielleicht sogar einen Schatz zu finden.

Ich umfasste vorsichtig den Griff und zog daran. Nichts bewegte sich. Auch Drücken und Rütteln vermochte die Position der Stange nicht zu verändern. Also rannte ich in den Keller, wo mein Vater das Werkzeug aufbewahrte, und suchte nach Öl oder Rostentferner oder etwas Ähnlichem. Ich fand ein paar Dosen, deren Inhalt vielversprechend aussah, rannte wieder hoch in mein Zimmer und sprühte und schmierte den Hebel reichlich ein.

Ich hatte mir außerdem ein paar Arbeitshandschuhe aus dem Keller mitgebracht, um nicht abzurutschen, und wagte nun erneut einen Versuch. Und diesmal bewegte sich tatsächlich etwas. Ich merkte, dass sich der Hebel jetzt nach unten drücken ließ, und als ich nach und nach immer mehr Gewicht darauf legte, krachte es mit einem Mal, und der Hebel ruckte ein ganzes Stück tiefer und blieb in dieser Position stecken.

Erst beim zweiten Hinsehen erkannte ich, dass sich der Boden der Kiste an der Rückseite ein Stück nach oben bewegt hatte. Dort, wo sich der Boden angehoben hatte, war jetzt ein handbreiter Spalt freigeworden. Ich schob meine Finger in die Spalte und zog an der Bodenplatte.

Mit einem ohrenbetäubenden Quietschen zerrte ich die Holzplatte nach oben, bis diese an die Vorderseite der Truhe anschlug und hier arretierte. Mit hochrotem Kopf und rasendem Puls schnappte ich mir meine Taschenlampe und leuchtete in die Kiste.

Meine Nackenhaare stellten sich auf, als ich in einen pechschwarzen Schacht leuchtete, dessen Ende nicht auszumachen war. Etwa dreißig Zentimeter unterhalb des eben geöffneten Kistenbodens ragte mir eine rostige Eisenleiter entgegen und führte in die Tiefe.

Was zur Hölle hatte ich da nur gefunden?

Auszug aus „Sommer mit Benesh“. Der vollständige Roman ist als Hardcover, Softcover und E-Book erhältlich. Zur Verfügbarkeit

Orte, Erinnerungen und Spuren

„Sommer mit Benesh“ ist eine fiktionale Geschichte, aber viele ihrer Ausgangspunkte haben reale Wurzeln. Manche Orte, Gegenstände und Erinnerungen aus meiner eigenen Kindheit haben sich beim Schreiben mit erfundenen Figuren und historischen Fragen verbunden. Aus einem alten Zimmer, einer Holzbank am Kachelofen und der Vorstellung eines verborgenen Zugangs entstand nach und nach die Geschichte von Gunnar und Benesh.

Der reale Ausgangspunkt

Der wichtigste reale Ausgangspunkt war der alte Ofenbereich in meinem Kinderzimmer. Dort gab es tatsächlich eine kleine Holzbank mit einer Klappe, in der alte Zeitschriften lagen. Schon als Kind stellte ich mir vor, was wohl wäre, wenn sich darunter kein gewöhnlicher Stauraum befände, sondern ein Zugang in eine verborgene unterirdische Welt.

Viele Jahre später wurde aus dieser Vorstellung der Beginn des Romans: ein Junge, ein Sommer, ein geheimer Schacht und eine Geschichte, die unter der Oberfläche weiterlebt. Die Fotos des realen Ofenbereichs sind weiter oben im Abschnitt zur Entstehung eingebunden.

Zwischen persönlicher Erinnerung und Fiktion

Viele Details der Gegenwartsebene sind von Erinnerungen an eine Kindheit in den 1990er-Jahren inspiriert: Sommerferien, Langeweile, Freibad, Nachbarschaft, Flohmarkt, Kassetten, Comics und das Gefühl, als Kind in vertrauten Orten plötzlich ein Abenteuer zu vermuten. Trotzdem ist „Sommer mit Benesh“ keine autobiografische Nacherzählung. Die realen Eindrücke wurden beim Schreiben zu einer eigenen fiktionalen Geschichte.

Gerade dieser Wechsel zwischen vertrautem Alltag und verborgenem Geheimnis prägt den Ton des Romans: Gunnar ist kein Held aus einer anderen Welt, sondern ein ganz normaler Junge, der in etwas hineingerät, das größer ist als seine Sommerferien.

Erinnerungskultur und Schule

Auch die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Erinnerung hat einen persönlichen Hintergrund. Meine Schule trug den Namen Geschwister-Prenski-Schule und verwies damit auf jüdische Kinder und Jugendliche, deren Geschichte nicht vergessen werden sollte. Dieser Bezug hat den Roman nicht dokumentarisch bestimmt, aber er gehört zu den Spuren, aus denen sich die Frage entwickelte, wie Vergangenheit in der Gegenwart sichtbar bleiben kann.

Leserstimmen

Die folgenden Stimmen stammen aus privaten Rückmeldungen zum Roman und wurden gekürzt und anonymisiert.

„Schnell hatte mich die spannende Geschichte von Benesh in ihren Bann gezogen.“

– Leserzuschrift

„Das letzte Kapitel ließ mich mit Tränen im Sessel sitzen.“

– Leserzuschrift

„Ein berührendes Erinnern an unsere Spurensuche und die Namensgebung der Geschwister-Prenski-Schule.“

– Leserzuschrift

„Ihre Sprache ist angenehm schnörkellos, dabei klar und genau …“

– Leserbrief

„Richtig spannend – und die Zeit des Nationalsozialismus wird deutlich und jugendgemäß zur Sprache gebracht.“

– Leserzuschrift

„Wenn ich noch aktiv unterrichten würde, würde ich das Buch ganz bestimmt in der Mittelstufe einsetzen.“

– Leserzuschrift

Verfügbarkeit

„Sommer mit Benesh“ ist als Self-Publishing-Titel über Bookmundo Direct erschienen und in mehreren Ausgaben verfügbar.

Hörbuch / MP3

5,99 €

Art
KI-gestützte Hörbuchfassung
EAN
9783989832152
Gesprochen von
Adam (KI)
Spieldauer
4 Stunden und 13 Minuten
Dateien
25 Dateien
Veröffentlicht
30.05.2024
Hörbuch bei Thalia ansehen

Auch als Hörbuch

„Sommer mit Benesh“ ist auch als ungekürzte, KI-gestützte Hörbuchfassung verfügbar. Die Lesung wurde mit einer KI-Stimme produziert und ist unter anderem bei Thalia sowie auf Spotify zu finden.

Hörbuch / MP3

KI-gestützte Hörbuchfassung

Gesprochen von
Adam (KI)
Spieldauer
4 Stunden und 13 Minuten
Fassung
Ungekürzt
Erscheinungsdatum
30.05.2024
EAN
9783989832152
Preis
5,99 € bei Thalia gelistet

Bibliografische Angaben

Autor
Hans Woitke
Titel
Sommer mit Benesh
Erscheinungsjahr
2022
Sprache
Deutsch
Printumfang
141 Seiten
Printformat
155 × 235 mm
Druck
Schwarzweiß
Verlagsportal
Bookmundo Direct
Genre
Coming-of-Age · historisches Geheimnis · Kriminalspannung · Erinnerung
Hörbuchfassung
MP3, ungekürzt, 2024, gesprochen von Adam (KI)